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Gotteswort

15. September 2017


Freitag der 23. Woche im Jahreskreis

Ein Auge haben für andere Menschen! Wenn es nicht scheele, neidische, sondern positive Augen sind, vermögen sie in andern vorbildhafte Züge zu entdecken. Aufrichtigkeit und Wohlwollen im Urteil (nicht nach dem blossen „Augenschein“!) über andere sind das Thema des heutigen Evangeliums. Ohne dieses Wohlwollen wird jede Kritik am andern abprallen. In der ersten Lesung wird der Apostel als Vorbild dargestellt, auf das wir schauen dürfen.

Kyrie

Christus, du bist das Licht des Lebens. Herr, erbarme dich.
Du bist der Meister deiner Jünger. Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns Glauben und Liebe. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gütiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

1 Tim 1,1–2;12–14

Anschrift und Gruss – Dank für die Berufung zum Apostel

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Auftrag Gottes, unseres Retters, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, an Timotheus, seinen echten Sohn durch den Glauben. Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergross war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte.

Ein Vorbild, das Dankbarkeit und Verpflichtung auslöst

Im Altertum war es üblich und rechtens, eine eigene Schrift einem andern, anerkannten und geschätzten Autor zuzuschreiben, um dem Schreiben Autorität zu vermitteln. Dies ist auch bei einigen neutestamentlichen Schriften der Fall, so im Timotheusbrief (etwas aus dem Jahr 100), der nicht an eine Gemeinde gerichtet ist, sondern an Verantwortliche der Gemeinden. Nach dem Eingangsgruss dieses Schreibens, lesen wir heute einen Dank für das Erbarmen Gottes, wie es sich gezeigt hat im Werdegang des Apostels Paulus, der vom Verfolger zum Verkünder von Jesus Christus wurde. Der Empfänger des Briefes soll sich nach dem Vorbild des Paulus richten. – Auch unsere Berufung ist nicht eine Selbstverständlichkeit. Wir dürfen dafür danken.

Antwortspalm

Psalm 16,1–25.7–9.11


R: Du, Herr, bist mein Anteil und Erbe.


Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.»
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit; heilige uns in der Wahrheit. Halleluja.

Evangelium

Lk 6,39–42

Vom Richten

Er gebrauchte auch einen Vergleich und sagte: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?

Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Als Jünger leben!

Hier sind verschiedene Sprüche Jesu zusammengestellt. Zuerst wurden die Worte Jesu nur mündlich überliefert, noch nicht schriftlich. Die Jünger merkten sich diese Sätze, indem sie sich gewisse Stichworte einprägten. Im heutigen Text dient das Stichwort „Auge“, um die Sprüche vom Blindenführer und vom Splitterrichter im Gedächtnis behalten zu können. Der Sinn ist klar. Es geht um Echtheit und Ehrlichkeit. Wer die Voraussetzungen nicht hat, soll nicht den Meister spielen. Wer über andere urteilt, muss ehrlich seine eigene Situation bedenken.

Fürbitten

Christus, du bist der Meister deiner Jünger:

  • Mach deine Gläubigen barmherzig im Urteilen über andere.
  • Schenke den Geist der Wahrheit allen, die im Bereich der Kultur tätig sind.
  • Steh den Blinden, den Behinderten und ihrem Pflegepersonal bei.
  • Gib uns Augen für das Gute in uns selber und bei andern.

Gütiger Gott und Vater, dein Sohn hat Licht und Freude in die Welt gebracht. Hilf uns, auf seinem Weg dir entgegen zu gehen. So bitten wir, im Heiligen Geist, durch Christus, unseren Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, in deinem Wort und Sakrament gibst du uns Nahrung und Leben. Lass uns durch diese grossen Gaben in der Liebe wachsen und zur ewigen Gemeinschaft mit deinem Sohn gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.