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Sonntagsgedanke – 15. April 2018

Als ich frisch vom Gymnasium kam, mit einem druckfrischen Maturazeugnis in der Tasche, meinte ich, dass nun alles in der Welt möglich sei: Ich müsse einzig wollen! Unbeschränkt schien die Zeit zu sein, die mir zur Verfügung steht, unzählbar die Möglichkeiten, die ich verwirklichen könnte.

Plötzlich aber merkte ich: Ich kann gar nicht alles, was ich gerne tun möchte! Meine Zeit und Kräfte reichen nicht für all das aus, wofür ich mich gerne engagieren würde.

Plötzlich wurde mir klar: Es gibt Grenzen – und zwar solche, die ich mir nicht selber setze.

Erst dann verstand ich, wieso es für Jesus wichtig, ja notwendig war, nicht alle Anforderungen zu erfüllen – so gern er es vielleicht auch getan hätte. Mir wurde klar, wieso er sich immer wieder den Heerscharen von heranströmenden Menschen entzog, um alleine zu sein, um zu neuer Kraft zu kommen. Auch Christus hatte als Mensch Grenzen; wieso soll dann ich keine haben?

Die eigenen Grenzen erkennen und annehmen ist ein wichtiger Prozess, der mich davor bewahrt, mich zu verausgaben und zu vergessen, auf mich selber zu schauen. Denn auch das ist Gottes Gebot.

Freilich ertappe ich mich auch heute noch nicht selten dabei, dass ich mich allzu schnell für etwas begeistere, dass ich mich in zu vielen Dingen engagiere. Heute aber fällt es mir leichter, meine Grenzen zu sehen und anzunehmen. Ich habe gelernt, dass nicht ich alles machen muss. Ich habe gelernt, zu vertrauen. Und damit schuf ich Gott Raum für sein Wirken in meinem Leben.

Grenzen bekommen damit eine ganz neue, positive Wertung, weil sie mich erkennen liessen: Ich kann mich auch führen lassen. Und zwar von jemandem, der mich an einen Ort bringen will, wo es gut für mich ist.

P. Thomas