Gotteswort

15. September 2017


Gedächtnis der Schmerzen Mariens (G)

Ein Auge haben für andere Menschen! Wenn es nicht scheele, neidische, sondern positive Augen sind, vermögen sie in andern vorbildhafte Züge zu entdecken. Aufrichtigkeit und Wohlwollen im Urteil (nicht nach dem blossen „Augenschein“!) über andere sind das Thema des heutigen Evangeliums. Ohne dieses Wohlwollen wird jede Kritik am andern abprallen. In der ersten Lesung wird der Apostel als Vorbild dargestellt, auf das wir schauen dürfen.

Gedächtnis der Schmerzen Mariens (G)

Dieses Gedächtnis wird seit dem Mittelalter begangen. Das schmerzliche Leid der mitfühlenden Mutter berührt die Herzen der Gläubigen und kann sie zum österlichen Geheimnis von Tod und Auferstehung ihres Sohnes führen.

Kyrie

Christus, du bist das Licht des Lebens. Herr, erbarme dich.
Du bist der Meister deiner Jünger. Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns Glauben und Liebe. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, du hast der Mutter Jesu die Kraft verliehen, unter dem Kreuz zu stehen und das Leiden deines Sohnes zu teilen. Hilf uns, täglich unser Kreuz anzunehmen, damit wir auch an der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus teilhaben, der in Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

1 Tim 1,1–2;12–14

Anschrift und Gruss – Dank für die Berufung zum Apostel

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Auftrag Gottes, unseres Retters, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, an Timotheus, seinen echten Sohn durch den Glauben. Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich ihn früher lästerte, verfolgte und verhöhnte. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. So übergross war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte.

Ein Vorbild, das Dankbarkeit und Verpflichtung auslöst

Im Altertum war es üblich und rechtens, eine eigene Schrift einem andern, anerkannten und geschätzten Autor zuzuschreiben, um dem Schreiben Autorität zu vermitteln. Dies ist auch bei einigen neutestamentlichen Schriften der Fall, so im Timotheusbrief (etwas aus dem Jahr 100), der nicht an eine Gemeinde gerichtet ist, sondern an Verantwortliche der Gemeinden. Nach dem Eingangsgruss dieses Schreibens, lesen wir heute einen Dank für das Erbarmen Gottes, wie es sich gezeigt hat im Werdegang des Apostels Paulus, der vom Verfolger zum Verkünder von Jesus Christus wurde. Der Empfänger des Briefes soll sich nach dem Vorbild des Paulus richten. – Auch unsere Berufung ist nicht eine Selbstverständlichkeit. Wir dürfen dafür danken.

Antwortspalm

Psalm 16,1–25.7–9.11


R: Du, Herr, bist mein Anteil und Erbe.


Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.»
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit; heilige uns in der Wahrheit. Halleluja.

Evangelium

Joh 19,25–27

Unter dem Kreuz

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!

Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Unter dem Kreuz Jesu

Christus leidet am Kreuz. Mitleidige Frauen stehen unter dem Kreuz. Einfühlung und innerste Solidarität gehören zum Kreuz. Maria, die Mutter Jesu, steht als Messiasmutter auch für das Volk Israel, in welchem Christus geboren wurde. Voll Symbolkraft ist auch die Anwesenheit des Jüngers, „den Jesus liebte“. Der liebende Christus vertraut sie einander an: die Messiasmutter und den Vertreter des neuen Gottesvolkes, das seinen Ursprung am Kreuz, an Ostern und Pfingsten hat.

Fürbitten

Christus, du bist der Meister deiner Jünger:

  • Mach deine Gläubigen barmherzig im Urteilen über andere.
  • Schenke den Geist der Wahrheit allen, die im Bereich der Kultur tätig sind.
  • Steh den Blinden, den Behinderten und ihrem Pflegepersonal bei.
  • Gib uns Augen für das Gute in uns selber und bei andern.

Gütiger Gott und Vater, dein Sohn hat Licht und Freude in die Welt gebracht. Hilf uns, auf seinem Weg dir entgegen zu gehen. So bitten wir, im Heiligen Geist, durch Christus, unseren Herrn.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, in dieser heiligen Feier haben wir die Gnade ewiger Erlösung empfangen. Gib, dass wir im Gedenken an die Schmerzen der seligen Jungfrau Maria bereit sind, die Bedrängnisse unseres Leben zu ertragen und so zu ergänzen, was noch fehlt an den Leiden Christi für seinen Leib, der die Kirche ist. Darum bitte wir durch ihn, Christus, unsern Herrn.


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