Gotteswort

17. Mai 2018


Donnerstag der 7. Osterwoche

Das Christenleben ist auf Verwandlung angelegt. Alles kann sich zum Guten wenden. Der Abschnitt aus der Apostelgeschichte berichtet über eine unverhoffte Wende im Leben des Paulus. Gefangen und angeklagt, ähnlich wie sein Meister, wird er frei. Jesus stärkt ihn für seine Sendung. Im Evangelium formuliert Johannes ein Gebet Jesu für die Seinen, die in der Welt leben. Ihr Leben soll sich wandeln in eine von der göttlichen Liebe geprägte Herrlichkeit und Einheit, damit die Welt glaubt.

Kyrie

Christus, der Vater hat dich geliebt vor Beginn der Welt. Herr, erbarme dich.
Du hast uns die Liebe des Vaters geschenkt. Christus, erbarme dich.
Du willst, dass wir eins sind, damit die Welt glaubt. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Wir bitten dich, Herr unser Gott, der Heilige Geist erfülle uns mit dem Reichtum seiner Gaben. Er schenke uns eine Gesinnung, die dir wohlgefällt, damit wir deinem Willen immer mehr entsprechen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Apg 22,30; 23,6–11

Paulus vor dem Hohen Rat

Weil der römische Oberst genau wissen wollte, was die Juden Paulus vorwarfen, liess er ihn am nächsten Tag aus dem Gefängnis holen und befahl, die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat sollten sich versammeln. Und er liess Paulus hinunterführen und ihnen gegenüberstellen.

Da Paulus aber wusste, dass der eine Teil zu den Sadduzäern, der andere zu den Pharisäern gehörte, rief er vor dem Hohen Rat aus: Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht. Als er das sagte, brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus, und die Versammlung spaltete sich. Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder eine Auferstehung noch Engel noch Geister, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem.

Es erhob sich ein lautes Geschrei und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer standen auf und verfochten ihre Ansicht. Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen. Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.

Als der Streit heftiger wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreissen. Daher liess er die Wachtruppe herabkommen, ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen und in die Kaserne bringen.

In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sagte: Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.

Verhör und Rechtfertigung des Paulus

Paulus steht vor dem Hohen Rat. Ähnlich wurde einst Jesus vor die religiöse Autorität seines Volkes geführt und von ihr vollständig abgelehnt. Doch Jesus wurde vom Vater aus den Wehen des Todes befreit und so gerechtfertigt. – Anders als die Sadduzäer können die Pharisäer eine Auferstehung erwarten. Es kommt zu einer lauten Auseinandersetzung zwischen diesen Parteien, während Paulus aus dem Hohen Rat herausgeholt wird. In der folgenden Nacht erscheint ihm der erhöhte Christus und stärkt ihn für sein Zeugnis.

Antwortspalm

Psalm 16, 2.5–9.11a


R: Behüte mich Gott, denn ich vertraue auf dich.


Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.»
Du, Herr, gibst mir das Erbe
und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz
und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis;
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Halleluja.

Evangelium

Joh 17,20–26

Jesu Fürbitte für alle Glaubenden

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Aus dem „hohenpriesterlichen Gebet“ Jesu

Die ersten Christen hatten keinen Tempel und keinen Hohenpriester auf Erden. In diesem Kapitel (im Anschluss an die Abschiedsrede beim Abendmahl ins Evangelium eingefügt) formuliert der Evangelist Johannes das tiefste Herzensanliegen Jesu als hohepriesterliches Gebet, das Jesus – bereits zur Rechten des Vaters stehend – an seinen Vater richtet. Jesus liegt am Herzen, dass die Seinen ihren Anteil erhalten an seiner unvergänglichen, himmlischen, ja göttlichen Herrlichkeit beim Vater. Sie sollen an dieser innergöttlichen Einheit teilhaben und ihrem Leben diese Einheit bezeugen. – Sie sollen Erbauer einer tiefen, nicht nur organisatorischen Einheit untereinander sein und auch die Welt für diese Einheit gewinnen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du trittst beim Vater für uns ein:

  • Stärke die Glaubenden in Stunden der Prüfung oder Verfolgung.
  • Erneuere die Einheit aller Getauften in deiner Wahrheit und Liebe.
  • Wecke neue Hoffnung in allen, die von Dienern der Kirche enttäuscht wurden.
  • Lass unsere Arbeit und alles, was wir erleiden, zu deiner Ehre gereichen.

Heiliger Gott, schütze uns an Leib und Seele und lass uns erlangen, war wir gläubig erbitten. Im Heiligen Geist, durch Christus, unseren Herrn.

Schlussgebet

Gütiger Gott, in dieser Feier hast du uns Anteil an deiner Gnade gegeben. Sie mache uns fähig, dein Wort zu verstehen, und bereit, die Gaben deines Geistes zu empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


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