Gotteswort

20. Mai 2018


Pfingsten

Die Zeit der fünfzig Tage vorn Sonntag der Auferstehung bis Pfingstsonntag wird als einziger Festtag gefeiert, als „der grosse Tage des Herrn“ (aus einem Festbrief des hl. Athanasius).

Kyrie

Christus, auferstanden von den Toten, sendest du den Heiligen Geist. Herr, erbarme dich.
Der Heilige Geist verbindet die Jünger zu einem einzigen Leib. Christus, erbarme dich.
Der Heilige Geist wirkt durch vielfältige Gaben. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen. Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Apg 2,1–11

Das Pfingstereignis

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen liess sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.

Sie gerieten ausser sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes grosse Taten verkünden.

Das Gründungsfest der Kirche

Fünfzig Tage nach Ostern sind die Jünger zu Schriftlesung und Gebet versammelt. Ergriffen vom Osterereignis sind sie nun im Vollsinn „begeistert“ – und zwar von Gott her, denn selber waren sie ja geflohen. Die noch kleine Gemeinde versteht, dass der Bundesschluss am Sinai, der am jüdischen Pfingsten gefeiert wird, nun zurücktritt hinter dem neuen Bund in Christus. Dafür sind wesentlich die Gabe des Geistes und das Geistgesetz der Freiheit, das nicht auf steinerne Tafeln sondern in die Herzen geschrieben ist. Um das Geschehen zu schildern, liegt es nahe, auf die Gotteserscheinung unter Sturm, Feuer, Blitz und Schall auf dem Sinai zurückzugreifen. Tatsächlich haben die Jünger „Feuer gefangen“. Entzweiung und Sprachenwirrwarr von Babel sind behoben. Die Jünger verkünden den Glauben in fremden Zungen. Die weltweite Kirche ist gegründet. – Lukas nennt das jüdische Pfingstfest als den Tag, da die Jünger öffentlich und mit grosser Kraft von Jesus Zeugnis abzulegen beginnen.

Antwortspalm

Psalm 104,1.24.29–31.34


R: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.


Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie gross bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus,
so werden sie alle erschaffen
und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn;
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.

2. Lesung

1 Kor 12,3b–7.12–13

Der eine Geist und die vielen Gaben – Der eine Leib

Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.

Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Der Geist formt den Leib Christi.

Wer wirklich glaubt und bezeugt, dass Jesus der „Kyrios“ ist, hat das nicht aus sich selbst, sondern vom schöpferischen Geist Gottes her. Dieser Geist verleiht den Glaubenden die verschiedenen Charismen und Kräfte. Er beseelt alle Glieder der Kirche so, dass sie den einen Leib Christi bilden.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe! Halleluja.

Evangelium

Joh 20,19–23

Die Beauftragung der Jünger

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.

Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Der Auferstandene und die Sendung des Geistes

Für Johannes ist das österliche Geheimnis eine ganzheitliche Wirklichkeit. Die „Erhöhung“ Jesu beginnt am Kreuz. Beim Kreuzesopfer Jesu wird die Kirche aus seiner Seite geboren. Am Kreuz sterbend und „das Haupt neigend“ „übergab er den Geist“ an Maria und Johannes (welche die Kirche darstellen). Am Osterabend erscheint der Auferstandene vor den Jüngern. Die Geistgabe soll sie prägen, während er mitten unter ihnen ist (und später, wenn sie in seinem Namen zum Gottesdienst versammelt sind). Er, der Friede, identifiziert durch die Wunden (speziell genannt ist die Seitenwunde, aus der dank des Blutes Jesu das Wasser des Geistes strömt), haucht sie an, wie der Schöpfer Adam den Lebensodem einhaucht, damit sie durch Jesu Geist eine neue Schöpfung werden. Sie sollen Geistträger werden und den Heiligen Geist zur Sündenvergebung vermitteln.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns den Heiligen Geist gesandt. Wir bitten dich:

  • Für die Kirche und ihre Hirten: Stärke sie mit der Kraft des Heiligen Geistes.
  • Für die Jugend: Schenke ihr den Lebensodem, den Heiligen Geist.
  • Für die Völker der Erde: Gib ihnen den Frieden, den die Welt nicht geben kann.
  • Für die Armen, Kranken und Schwachen: Sende ihnen den Tröstergeist, den Beistand.
  • Für unsere Angehörigen und Verwandten: Schenke ihnen deinen Geist und deine Liebe.
  • Für uns selber: Sende uns die Kraft von oben, den Heiligen Geist.

Gott, unser Vater, schenke der ganzen Kirche den Schöpfergeist und erneuere das kirchliche Leben. So bitten wir im Heiligen Geist, durch Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr unser Gott, du hast deine Kirche mit himmlischen Gaben beschenkt. Erhalte ihr deine Gnade, damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist, in ihr weiterwirkt und die geistliche Speise sie nährt bis zur Vollendung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


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